Liensfeld: Wenn irgendwo aus einer eher zäh anmutenden Veranstaltung wie einer Jahreshauptversammlung auch ein kurzweiliger und vergnügter Abend werden kann, dann ist es bei der Freiwilligen Feuerwehr Liensfeld-Kiekbusch.
Ein Grund dafür dürfte wohl die stets mit Spannung erwartete Auszeichnung zum Pechvogel des Jahres sein, die streng geheim gehalten wird und ausschließlich vom „Pechvogel-Fachwart“ und Ehrenwehrführer Klaus-Peter-Kühl zelebriert wird.
Aber natürlich wird auch in Liensfeld gemäß Tagesordnung verfahren, deshalb erstmal der Reihe nach:
Wehrführer Frank Mielke freute sich, trotz widriger Wetterumstände 29 Kameradinnen und Kameraden der Wehr sowie einige Ehrengäste begrüßen zu können. Die nach dem gemeinsamen Essen folgenden Grußworte, u.a. von Bürgermeister Jens Arendt und Gemeindewehrführer Andreas Riemke waren voll des Lobes für die geleisteten Tätigkeiten im abgelaufenen Jahr. Beide äußerten aber auch mit deutlichen Worten ihre Enttäuschung über den „Amtsschimmel“, der bereits seit 2021 über den seitens der Gemeinde Bosau mit Hochdruck angestrebten Neubaus eines Feuerwehrgerätehauses in Liensfeld wiehert. Bereits im April 2021 waren von der Hanseatischen Feuerwehr-Unfallkasse Nord derart eklatante Sicherheitsmängel erkannt worden, dass mit einer zunächst dreijährigen Fristsetzung nur ein Neubau an anderer Stelle in Frage kam.
Der Jahres- und Tätigkeitsbericht wies 51 Dienste auf, zudem wurde die Wehr zu acht Einsätzen gerufen. Neben technischen Hilfeleistungen waren es ein Unwettereinsatz, ein Verkehrsunfall und drei Brände.
Die Wahlen zu Kassenprüfern und zum Festausschuss verliefen einstimmig.
Zudem stand die Wahl des Kassenwartes an. Der amtierende Kassenwart Olaf Simon hatte sich zur Wiederwahl gestellt, allerdings zuvor noch mit einem erneuten Antrag auf Preiserhöhung für eine Lokalrunde nicht unbedingt seine Popularität gesteigert.
Dennoch war damit offensichtlich wieder zum Grundstein für eine gelungene Versammlung beigetragen und Olaf Simon wurde einstimmig wiedergewählt.
Erfreulicherweise hatte die Wehr gleich drei Neuaufnahmen zu verzeichnen. Nach Ablauf der einjährigen Probedienstzeit sowie bestandener Grundausbildung wurde die Anwärterin Tanja Liedtke zur Feuerwehrfrau ernannt und die Anwärter Peter Hattwig und Enrico Schuldt zu Feuerwehrmännern.
Der stellvertretende Gruppenführer und Atemschutzgerätewart Felix Rentzsch wurde zum Hauptfeuerwehrmann (3 Sterne) befördert.
Matthias Musfeldt wurde zum Löschmeister befördert.
Und auch der Wehrführer ging nicht leer aus, Frank Mielke erhielt das Dienstzeitabzeichen für 40 Jahre aktiven Feuerwehrdienst. Der Gemeindewehrführer würdigte seine außerordentlichen Verdienste um die Feuerwehr, Mielke ist bereits im 10. Jahr Ortswehrführer, davor war er 6 Jahre stellvertretender Wehrführer, 13 Jahre Gerätewart, 20 Jahre Atemschutzgeräteträger und seit 2011 Mitglied der Leistungsbewertungskommission des Kreisfeuerwehrverbandes Ostholstein.
Gleichermaßen ergreifend wie auch humorvoll war dann die Verabschiedung von gleich drei höchst verdienten Kameraden nach 48 Jahren Feuerwehrdienst.
Heinrich Hilger hatte bereits im Jahr zuvor die Altersgrenze erreicht und war einstimmig in die Ehrenabteilung übernommen worden. Der Wehrführer lobte insbesondere seinen unermüdlichen Arbeitseinsatz rund um Fahrzeuge und Gerätehaus. Bei der gesamten Feuerwehr gibt es kaum einen Pinselstrich, der nicht
von Heiners Meisterhand selbst geführt wurde und ohne ihn wären unsere Fahrzeuge längst durchgerostet und die Wände hätten keinen Putz mehr, so der Wehrführer.
Kamerad Ernst-Günter Friedrichsen wurde ebenfalls nach 48 Jahren aktiven Dienst in die Ehrenabteilung übernommen. Er bekleidete in seiner Dienstzeit über viele Jahre auch Vorstandfunktionen in der Wehr, u.a. die des Schriftführers und des Kassenwartes.
Die lustigsten Anekdoten gab es erwartungsgemäß über den dritten ausscheidenden Kameraden zu berichten. Ebenfalls nach 48 Dienstjahren musste Löschmeister und Spaßvogel Wolfgang Schmüth (Wulle) den aktiven Dienst verlassen.
Der Wehrführer berichtete aus seiner 30-jährigen Zeit als Atemschutzgeräteträger, darunter von einem Wohnungsbrand, bei dem „Wulle“ zur Vermeidung von unnötigen Löschwasserschäden eigentlich nur einen heißen Elektroherd aus der Küche entfernen sollte, er dementgegen aber innerhalb kürzester Zeit die halbe Einbauküche durch ein Fenster des Obergeschosses in den Garten geworfen hatte.
Und direkt vom Spaßvogel dann auch schon die Überleitung zum Pechvogel. Der Gemeindewehrführer brauchte sich gar nicht erst zu setzen, denn er war es, den der Fachwart für Pechvögel ins Visier genommen hatte.
Kühl legte auch gleich den Finger in die Wunde, seine Triebfeder der nicht voranschreitende Bau des Feuerwehrhauses. Ausschmückend erläuterte er, dass der im 16. Jahr an der Spitze der 8 Feuerwehren der Gemeinde Bosau stehende Andreas Riemke es zwar nie versprochen hatte, dennoch bei all seinen Bemühungen fester Erwartung gewesen war, noch im abgelaufenen Jahr die Grundsteinlegung in Liensfeld vornehmen zu können.
Leider ist auch 2025 wieder erfolglos verstrichen und Ende 2026 endet dann ferner für den Gemeindewehrführer - mit oder ohne Grundsteinlegung – auch seine Dienstzeit.
Soweit zum Pech, zum Glück konnte der Fachwart für Pechvögel und Kartoffelkönig kraft seines Amtes entscheiden, dass Gemeindewehrführer und Bürgermeister im Zuge des Bürokratieabbaus in dem Bauvorhaben ab sofort eigenständig tätig werden dürfen.
Riemke erhielt die dafür nötige „ABM-Ausstattung“ (Andreas der BauMeister), beginnend mit einer Wünschelrute für die Grundstücksuche bis hin zum Bier für die Grundsteinlegung.
- Thomas Mielke -